Die Geographie in den Prophezeiungen des Nostradamus

Michel Nostradamus ist bisher als Prophet und als Astronom bekannt, weniger als Geograph. Kaum beachtet wurden bisher seine detailgenauen Kenntnisse der Geographie von Europa, dem vorderen Orient und sogar Afrika. Er erwähnt weit entfernt liegende Orte, die er ganz sicher nie bereist hat. Natürlich erhebt sich die Frage, warum er so viele Ortsnamen und Landschaftsnamen in seinen Prophezeiungen untergebracht hat, wenn sich doch nichts damit vorhersagen läßt, weil zeitliche Angaben fehlen. Die Ortsnamen müssen doch eine Bedeutung haben. Sie sind nicht willkürlich. Und bei näherer Betrachtung fallen auch einige Zusammenhänge auf.

Nehmen wir zum Beispiel Corinth in Griechenland und Ephesos, eine antike griechische Stätte in der Türkei. Gemeinsam werden sie in den Versen CI V52 Z3 und CIII V3 Z4 genannt. Beide Orte werden "auf zwei Meeren schwimmen". Zwei Meere werden auch mit Calpre (Gibraltar) genannt: "Zwischen zwei Meeren wird sich ein Vorgebirge, ein Kap erheben“ (CI V77 Z1 u. Z4). Die drei genannten Orte auf der Karte betrachtet liegen ostwestlich etwa auf einer Breite und zwar auf der Stoß- und Schiebezone der afrikanischen Platte gegen die europäische Platte in gerader Linie.
Etwa auf der gleichen Linie liegt auch der von Nostradamus häufig genannte Ort Selin oder Selinus, ein antiker Hafen im Südwesten Siziliens. Im Vers CI V42 Z4 verbindet nun Nostradamus den Hafen Selinus mit Damaskus und Amman ("d'Amant et Pselin") und weist so auf einen anderen Platz des Geschehens. In CVI V55 Z3 starten wir in Tripolis. In gebogener Linie werden wir über die griechische Insel Chios nach Trabzon am Schwarzen Meer ("Marnegro" in Z4) geführt. Trabzon liegt in Verlängerung des Grabenbruchs vom Roten Meer zum Toten Meer über Damaskus. Gehen wir zurück zum Vers 54, so erweitert sich die Landkarte noch erheblich.
Wir reisen jetzt nach Afrika ...



Der Grabenbruch von Afrika im Zusammenhang mit der Tektonik
des Mittelmeeres nach den Angaben des Nostradamus.

Michel Nostradamus beginnt mit Tunis (V54 Z2), führt über die Landschaft Fezan ("Fez") in Libyen bis geradewegs in die Landschaft Begemdir-na-Simen ("Begie") in Nordäthiopien. Diese bemerkenswerte Landschaft mit Bergen bis zu 4620 m hoch, liegt direkt westlich von Afrikas tiefstem Punkt von -155 m unter dem Meeresspiegel. Sie liegt im Norden des riesigen afrikanischen Grabenbruchs, der Richtung Süden bis nach Mozambique reicht.
Von Begemdir-na-Simen aus nordwärts zurück über Arabien (Z3) gelangt man ziemlich genau nach Trabzon. Begemdir-na-Simen liegt westlich vom 40. Längengrad östliche Länge, Trabzon liegt ebenfalls etwas westlich des 40. Längengrades östlicher Länge. Der 40. Längengrad führt mitten durch Arabien (siehe Karte).
Aber zurück zu Vers 55 Zeile 3. Wendet man einen Schlüssel an, nämlich Verdoppelung von Buchstaben, so hat man statt "Maroq" nun Marro. Die Suche nach einem entsprechenden Ort ergibt Marromeu, und wir sind an der Mündung des Zambezi in Mozambique angekommen, dem Ende des großen afrikanischen Bruches.
Mit der Landschaft Begemdir-na-Simen und dem Ort Marromeu gibt Nostradamus die gesamte Länge des afrikanischen Bruches an.
Gehen wir nun noch davon aus, dass in dem Wort "Liturgie" ein Ortsname versteckt ist, so finden wir Litunde, ein Ort in der Nähe des Lake Malavi, mitten in der Bruchzone. Damit ist die Richtigkeit der Ortsangaben bestätigt.
Michel Nostradamus führt häufig Orte in gerader Linie auf, um wie mit einem Pfeil auf den letzten Ort in einer Reihe aufmerksam zu machen. Manchmal verwendet er auch einen Bogen. Die großen Pfeile sind auf einem Globus (s.o. Bild) natürlich gebogen.

Mehr über die Geographie des Nostradamus im Buch "Der Prophet der Neuen Zeit / Nostradamus / Das Mysterium der tausend Verse", im Klecks Verlag erschienen.